Für Wissenschaftler, Heimatkundler, Familienforschende und die interessierte Öffentlichkeit steht nun ein neuer, spannender Archivschatz im Internet zur Verfügung: historische Pfarrbeschreibungen. Diese wurden im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert von den Pfarrern zu jedem evangelischen Ort in Bayern erstellt und bieten spannende Einblicke in vergangene Lebenswelten. Die Digitalisate sind als Sammlung "Evangelische Pfarrbeschreibungen des 19./20. Jahrhunderts in Bayern" kostenfrei unter www.bavarikon.de einsehbar.
Digitalisiert wurden die insgesamt 2500 Pfarrbeschreibungen mit 300.000 Seiten im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, dem Institut für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bamberg und Bayreuth (Schloss Thurnau) sowie Bavarikon.
Am 4. Februar wurde das Digitalisierungsprojekt im Landeskirchlichen Archiv vorgestellt. Dr. Alexandra Lutz, Leiterin des Landeskirchlichen Archivs, freute sich besonders über das Projekt, da die Pfarrbeschreibungen nun von der Forschung viel stärker wahrgenommen werden. Sie betonte, dass der unkomplizierte Zugang zu Archivgut wichtig und zeitgemäß sei und dass das Archiv derzeit viele Projekte zur Digitalisierung durchführe. Landesbischof Christian Kopp verwies auf die Bedeutung der Erinnerungskultur. Geschichte sei wichtig für die Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft. Insbesondere die Pfarrbeschreibungen hätten zudem einen praktischen Nutzen. Auch ihm sei als junger Pfarrer an seiner ersten Pfarrstelle eine Pfarrbeschreibung an die Hand gegeben worden, die ihm wertvolle Einblicke in die Gemeinde gab.
Frau Dr. Dorothea Sommer, Generaldirektorin der Bayerischen Staatsbibliothek stellte heraus, dass mit dem Projekt eine wichtige Lücke geschlossen worden sei. In Bavarikon könne man nun zu den evangelischen Orten in Bayern neben weiteren Quellen wie Fotos, Karten und Plänen auch diese Pfarrbeschreibungen finden. Prof. Dr. Martin Ott, Leiter des Instituts für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bamberg und Bayreuth, berichtete über die Auswertungsmöglichkeiten für die Forschung. Spannend sei vor allem der Einblick in die Alltagswelt der Menschen. Die Pfarrer waren in der Regel gut in die Gemeinde integriert und hatten tiefe Einblicke in das Gemeindeleben, sie „konnten Ortsgeschichte“. Die Pfarrbeschreibungen enthalten daher einen Rundumblick über Geschichte, Statistisches sowie seelsorgerliche, moralische und finanzielle Fragen zur jeweiligen Gemeinde – und laden jeden zum Forschen ein.